Die private Altersvorsorge steht an einem entscheidenden Wendepunkt. In den letzten Jahren haben sowohl der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) als auch die Deutsche Insurtech-Akademie (DIA) grundlegende Reformen gefordert, insbesondere im Hinblick auf die Riester-Rente. Die Idee hinter diesen Reformen ist eine Verzahnung der geplanten Frühstart-Rente mit einer modernisierten Riester-Förderung, um ein verständliches, flexibles und chancengerechtes System zu schaffen, das sowohl die finanzielle Tragfähigkeit als auch die Sparerkompetenz stärkt.
Der GDV betont, dass eine Reform der Riester-Rente notwendig ist, um den Menschen wieder Lust auf die eigene Altersvorsorge zu machen. Die Bundesregierung wird aufgefordert, Kapitalmarkterträge, lebenslange Sicherheit und Flexibilität in ein neues Produkt zu vereinen, das verständlich, renditestark, einfach und fair für Anbieter ist. Die staatlich geförderte Altersvorsorge muss schließlich Sicherheit für das ganze Leben bieten.
Frühstart-Rente: Ein neuer Ansatz
Ein zentrales Element in den Reformvorschlägen ist die Frühstart-Rente, ein staatliches Fördermodell für individuelle, kapitalgedeckte Altersvorsorge für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren. Ziel dieser Initiative ist es, Schüler in Deutschland finanziell zu unterstützen, um in Altersvorsorgeprodukte zu investieren. Monatlich erhalten die Kinder eine staatliche Förderung von 10 Euro, was jährlich 120 Euro ausmacht. Über den maximalen Förderzeitraum von 12 Jahren summiert sich der Zuschuss auf stolze 1.440 Euro, vorausgesetzt, die Kinder besuchen eine Schule in Deutschland.
Allerdings gibt es einige Unklarheiten: Was passiert mit Kindern, die ein Schuljahr im Ausland verbringen? Und wie sehen die Möglichkeiten für freiwillige Zahlungen zur Aufstockung der Frühstart-Rente aus? Diese Punkte sind noch zu klären. Aktuell wird auch darüber nachgedacht, wie hoch diese Zuzahlungen sein könnten, möglicherweise angeknüpft an die Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung. Diese liegt derzeit bei einem Jahreseinkommen von 96.600 Euro, was eine mögliche Zuzahlung von 1.450 Euro pro Jahr ermöglicht.
Ein Blick in die Zukunft
Die Förderfähigen Produkte für die Frühstart-Rente sind noch offen. Denkbar wären sowohl Versicherungslösungen als auch aktiv gemanagte Investmentfonds oder passive Indexfonds (ETFs). Wichtig ist, dass das angesparte Guthaben nicht für Konsumzwecke verwendet werden darf und bis zum Rentenbeginn unangetastet bleibt. Nach Erreichen der Volljährigkeit bleibt unklar, wie die Frühstart-Rente fortgeführt werden kann und ob die Jugendlichen eigene Beiträge bis zu einem noch zu bestimmenden Höchstbetrag leisten dürfen.
Die Riester-Rente könnte als sinnvolle Ergänzung zur Frühstart-Rente dienen, ist jedoch ebenfalls reformbedürftig. Sie richtet sich an sozialversicherungspflichtige Beschäftigte und betrifft geschätzt 650.000 bis 800.000 Personen, die zwischen 2009 und 2020 geboren wurden. Die jährlichen Ausgaben für den Bund belaufen sich auf durchschnittlich 84 Millionen Euro pro Jahrgang, was bei voller Inanspruchnahme über eine Milliarde Euro ausmacht.
Der geplante Start der Frühstart-Rente war ursprünglich auf den 1. Januar 2026 angesetzt, wurde jedoch aufgrund technischer Schwierigkeiten und Datenschutzbedenken verschoben. Der Koalitionsausschuss plant, die Eckpunkte zur Frühstart-Rente im Jahr 2025 im Kabinett zu beschließen, sodass diese rückwirkend zum 1. Januar 2026 in Kraft treten kann.
Die Kombination von Frühstart-Rente und neuer Riester-Förderung könnte somit ein langfristig wirksames Vorsorgeinstrument schaffen, das junge Menschen früh an den Kapitalmarkt und die Altersvorsorge heranführt und gleichzeitig die finanzielle Bildung stärkt. Der Finanzmathematiker Axel Kleinlein befürwortet diese Kombination und sieht hierin eine vielversprechende Möglichkeit, die Altersvorsorge in Deutschland zu revolutionieren.