Die Bundesregierung hat eine umfassende Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen, die noch vor Weihnachten im Kabinett verabschiedet werden soll. Ziel dieser Reform ist es, die Rentenlücke zu schließen und ein neues, staatlich gefördertes Altersvorsorge-Depot (AV-Depot) einzuführen, das ab 2027 die Riester-Rente ersetzen wird. Die Riester-Rente gilt als gescheitert, nicht zuletzt aufgrund vieler förderschädlich gekündigter Verträge und einer Kombination aus geringen Erträgen sowie hohem Verwaltungsaufwand. So äußerte sich auch Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip, in einem Interview und sprach sich positiv über die neuen Reformansätze aus.
Mit der Einführung des AV-Depots wird ein geförderter Sparplan auf einen weltweiten Aktien-ETF ohne Garantien geschaffen. Dieser Ansatz könnte sich als attraktiver herausstellen als die bisherigen staatlich geförderten Produkte. In dem neuen Modell bleibt die staatliche Förderung weiterhin bestehen: Beiträge sind in der Ansparphase steuerfrei, während die Auszahlungen im Rentenalter versteuert werden müssen. Für Geringverdiener und Familien werden erhöhte Zulagen angeboten, darunter eine Grundzulage von bis zu 480 Euro jährlich sowie Kinderzulagen von maximal 300 Euro pro Kind.
Neuheiten der Reform
Die Reform sieht die Einführung mehrerer Altersvorsorgeprodukte mit unterschiedlichen Garantiestufen und Renditechancen vor. Während die Riester-Rente eine 100%ige Beitragsgarantie bot, die die Renditechancen stark einschränkte, sind nun auch Produkte mit einer 80%igen Garantie geplant, die gewinnbringender am Kapitalmarkt angelegt werden können. Zudem wird ein Standardprodukt mit maximal 1,5% Kosten für unerfahrene Anleger zur Verfügung stehen.
- 80%ige Garantie für höhere Renditechancen
- Altersvorsorgedepot ohne Garantien für hohe Renditen
- Standardprodukt mit maximalen Kosten von 1,5%
Ein weiterer Pluspunkt der Reform ist der Bestandsschutz für Altverträge der Riester-Rente. Versicherte haben die Entscheidungsmöglichkeit, ob sie ihren Vertrag ändern oder ins neue Modell wechseln möchten. Zudem wird der Wechsel zwischen Altersvorsorgeverträgen vereinfacht, und Gebühren dürfen nur in den ersten fünf Jahren nach Vertragsabschluss erhoben werden.
Ein Blick in die Zukunft
Die neuen Altersvorsorge-Produkte sollen ab Januar 2027 verfügbar sein, müssen jedoch noch vom Bundestag und Bundesrat genehmigt werden. Bereits jetzt werden jedoch Pläne vorgestellt, die eine „Frühstart-Rente“ umfassen, die auch für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren eine monatliche Förderung von 10 Euro für ein Altersvorsorgedepot vorsieht. Diese Regelung könnte das Sparen für die Altersvorsorge bereits in jungen Jahren fördern, um zukünftigen Generationen beim Aufbau ihrer finanziellen Sicherheit zu helfen.
Die Reformversprechen deuten darauf hin, dass die Bundesregierung erkannt hat, dass ein Umdenken in der Altersvorsorge nötig ist. Das neue AV-Depot, das ab 2027 erhältlich ist, könnte eine moderne und effizientere Alternative zur bisher gelebten Riester-Rente darstellen. SWR Aktuell-Moderatorin Petra Waldvogel hat mit Saidi Sulilatu über diese neuen Ansätze diskutiert, wobei der Fokus auf der Notwendigkeit einer nachhaltigen und lukrativen Altersvorsorge lag.