In einer Zeit, in der finanzielle Eigenverantwortung immer wichtiger wird, ist es entscheidend, dass Frauen sich intensiver mit ihrer Altersvorsorge auseinandersetzen. Der Frauenwirtschaftstag in Heilbronn, organisiert von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), hat mit dem Motto „stark, fair, gemeinsam“ genau diese Problematik in den Fokus gerückt. Dr. Yvonne Zajontz, die Gleichstellungsbeauftragte der DHBW, forderte eine umfassende Aufklärung in Finanzangelegenheiten und einen geschärften Blick der Frauen auf ihre Altersvorsorge.
Ein zentrales Thema, das während des Wirtschaftstags behandelt wurde, ist die Tatsache, dass Frauen häufig später mit dem Aufbau ihrer Altersvorsorge beginnen und in der Regel über weniger Kapital verfügen. Dies ist nicht zuletzt auf geringere Verdienste und häufigere Teilzeitarbeit zurückzuführen. Dr. Marlene Haupt, Expertin für Altersvorsorge und Finanzbildung von der Hochschule München, betonte, dass Frauen ihre finanzielle Absicherung im Alter selbst in die Hand nehmen sollten. Sie riet dazu, die eigenen Finanzen frühzeitig zu regeln und verweist auf das digitale Portal www.rentenuebersicht.de, welches dabei helfen kann, einen Überblick über Ansprüche zu erhalten.
Die Herausforderungen der Altersvorsorge
Der Gender Pay Gap ist ein weiterer Faktor, der die Altersvorsorge von Frauen negativ beeinflusst. Im Jahr 2024 lag dieser bei rund 16 Prozent, was bedeutet, dass Frauen für die gleiche Arbeit rund sechs Prozent weniger verdienen als Männer. Dies führt zu einer Altersrentenlücke, die alarmierend ist: Während Männer im Jahr 2023 durchschnittlich etwa 25.000 Euro Alterseinkünfte pro Jahr erzielen, sind es bei Frauen nur etwa 15.000 Euro. Diese Differenz hat weitreichende Folgen, da niedrigere Einkommen zu einer geringeren gesetzlichen Rente und weniger betrieblicher Altersvorsorge führen. Tatsächlich entfallen weniger als ein Viertel der betrieblichen Altersvorsorge-Verträge auf Frauen.
Zusätzlich können persönliche Lebensumstände, wie etwa eine Trennung, das finanzielle Risiko für Frauen im Alter erhöhen. Viele verheiratete Frauen gehen fälschlicherweise davon aus, dass sie Anspruch auf einen lebenslangen nachehelichen Unterhalt haben, was jedoch nicht mehr der Fall ist. Daher ist es umso wichtiger, dass Frauen ihre Ansprüche aus gesetzlicher Rente und Betriebsrente abschätzen und gegebenenfalls private Vorsorge treffen.
Finanzielle Bildung und Anlagestrategien
Ein weiterer Fokus des Frauenwirtschaftstags war die Finanzbildung. Viele Frauen haben Schwierigkeiten, Geld an der Börse anzulegen, obwohl Studien zeigen, dass Frauen oft bessere Anlageergebnisse erzielen als Männer, da sie konsequenter investieren. Dr. Haupt empfiehlt, kostengünstige Indexfonds (ETFs) zu nutzen und ein individuelles Risikoprofil zu erstellen. Zudem sollte man auf zwielichtige „rosa Finanztipps“ auf Social Media achten und stattdessen offen über Finanzen sprechen.
Mit insgesamt sechs Workshops zu Themen wie Finanzwissen, moderne Elternschaft und Selbstfürsorge bot der Frauenwirtschaftstag einen geschützten Raum für den Austausch unter den 100 Teilnehmerinnen. Besonders gefragt war der Workshop zu künstlicher Intelligenz, der wertvolle Tipps zur beruflichen Weiterentwicklung gab. Es ist ermutigend zu sehen, dass die Frauen in Baden-Württemberg, wo der Anteil der Frauen in Führungspositionen bei 29,1 Prozent liegt, sich aktiv an der Diskussion über ihre wirtschaftliche und finanzielle Situation beteiligen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Frauenwirtschaftstag in Heilbronn ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung war. Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Expertinnen sind nicht nur für Frauen in Baden-Württemberg von Bedeutung, sondern können als Vorbild für eine breitere gesellschaftliche Diskussion über finanzielle Gleichstellung und Altersvorsorge dienen. Eine fundierte finanzielle Bildung ist unverzichtbar, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.